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Jahrgangsmischung in der Heide-Grundschule

Allgemeine Grundsätze:

  • Kein Kind ist immer das leistungsstärkste, kein Kind ist immer das leistungsschwächste.
  • Jedes Kind, auch ein leistungsschwaches erlebt, dass es Lernfortschritte macht.
  • Jedes Kind kann sein Wissen weitergeben und festigen, indem es einem anderen Kind etwas zeigen, erklären, ihm in irgendeiner Form helfen kann.
  • Jedes Kind kann den Stand seiner Leistungsentwicklung durch Vergleich einschätzen und beobachten und dabei erkennen, wohin seine Lernentwicklung führt.
  • Jedes Kind erhält mehr Zuwendung, als eine einzelne Lehrkraft ihm geben kann.
  • Jedem Kind wird durch den Rollenwechsel zugemutet, sich mit sich, seinen Gefühlen und seiner Entwicklung auseinander zu setzen.
  • Ein Kind kann seinen individuellen (schnelleren oder langsameren) Lernweg gehen, ohne seine soziale Gruppe zu verlassen.

Für eine Mischung von drei Jahrgängen spricht:

die Rollenvielfalt

  • In der Lerngruppe entsteht eine "Geschwisterstruktur", die besonders für Einzelkinder positiv ist. Sie erleben sowohl ältere als auch jüngere Kinder.
  • Kinder mit Geschwistern erleben sich anders als in der Familie – immer wieder in neuen Rollen.
  • In einer Mischung von 3 Jahrgängen erleben sich die Kinder als Lehrling, Geselle und Meister. Alle drei Rollen sollen erfahren werden.
  • Die mehrfachen Rollenwechsel innerhalb der Lerngruppe führen zum Wechsel der Perspektive und des Verhaltens.

das Helfen lernen

  • Das soziale Miteinander der Schüler ist vielfältiger und lebendiger
  • Besonders hilfsbedürftig sind immer die Neuen. Das ist ganz normal. Für sie steht eine große Anzahl von Helfern bereit, nicht nur die Lehrkraft.
  • Die Hilfestellungen der Schüler untereinander sind nicht nur zahlreicher, sondern auch unterschiedlicher. Es gibt viele Arten von Hilfen.
  • Die Hilfe eines deutlich älteren Schülers ist selbstverständlicher; sie anzunehmen, ist für manche Kinder leichter als von Gleichaltrigen bzw. nur wenig älteren.
  • Die Hilfe eines deutlich älteren Schülers ist oft Hilfe zur Selbsthilfe, respektiert eher den Wunsch: Hilf mir, es selbst zu tun.
  • Die Hilfe eines weniger älteren Schülers ist oft pragmatisch. Z. B. hilft er, damit eine Arbeit endlich fertig wird.

mehr Konstanz

  • Die aus drei Jahrgängen bestehende Lerngruppe arbeitet konstanter, denn 2/3 der Gruppe bleiben immer bestehen. Es gibt dadurch mehr lernerfahrene Vorbilder.
  • Rituale und Arbeitstechniken werden von 2/3 der Gruppe weitergegeben.
  • Der Anteil der "Neuen" umfasst nur 1/3 und nicht die Hälfte.
  • Das Überspringen und das "Verweilen" in einer Klassenstufe ohne einen Wechsel der sozialen Gruppe wird mehr Kindern ermöglicht.

weniger Wechsel

  • In einer Mischung von nur zwei Jahrgängen gibt es schon nach zwei Jahren neue Räume, neues Unterrichtsmaterial und neue Lehrkräfte, das ist sehr viel Veränderung in kurzer Zeit.
  • Es gibt also bereits nach 2 Jahren zahlreiche "Brüche", besonders wenn danach in Jahrgangsklassen weiter gearbeitet wird.
  • Eine evtl. Umstellung auf ein anderes Unterrichtsprinzip oder andere Arbeitstechniken ist für Kinder nach 3 Jahren Schulerfahrung einfacher.

das höhere Niveau

  • Die Lernmaterialien umfassen ein Angebot für mindestens 3 Jahrgänge. Dadurch gibt es mehr Auswahlmöglichkeiten. Das Lernangebot ist vielfältiger, interessanter und anspruchsvoller.
  • Die Spanne der Differenzierung ist größer und nicht reduziert auf "leicht oder schwer".
  • In einigen Lernbereichen können Kinder schon weit voranschreiten, während sie in anderen altersgerecht arbeiten.
  • Besonders das sachorientierte Arbeiten kann anspruchsvoller werden und sich nach oben orientieren.

Für eine Mischung von drei Jahrgängen bezogen auf die Lerninhalte spricht:

im Lernbereich Sprache

  • Die Erstklässler erleben durch die Drittklässler, wozu Lesen und Schreiben nötig sind, welchen Sinn das Lesen und Schreiben lernen hat.
  • Ohne Drittklässler gibt es den Brückenschlag zur selbstverständlichen Anwendung der Schriftsprache nur durch den Erwachsenen.
  • Für die Lese- und Schreibanfänger zeigen die Zweitklässler den Weg und die Drittklässler das Ziel des Lernprozesses.
  • Kinder mit guten Lesefertigkeiten können dies anwenden und festigen, indem sie jüngeren Kindern vorlesen.

im Lernbereich Mathematik

  • Kleine Kinder lieben große Zahlen. Sie erleben das Rechen im größeren Zahlbereich durch Beobachten und Spiel.
  • Sie sehen bei den Zweitklässlern die ersten Schritte mit dem Einmaleins und bei den Drittklässlern das Rechnen im Tausenderbereich.
  • Meist sind es die Drittklässler, die ihre Rechenfertigkeiten in Sachzusammenhängen anwenden oder schriftliche Rechenverfahren beherrschen.
  • Die Entwicklung des Zahlbegriffs und der Erwerb der Rechenoperationen fließen wieder zusammen in der dritten Klasse beim Erlernen der schriftlichen Rechenverfahren.
  • Der Kreis der mathematischen Fähigkeiten schließt sich so in der dritten Klasse und jedes Kind kann seinen individuellen Weg dorthin gehen.

im Lernbereich Sachkunde

  • Die Drittklässler ermöglichen durch ihre Lesekompetenz die Arbeit mit Sachliteratur auf einem höheren Niveau.
  • Die schriftlichen Arbeiten zu einem Sachthema können durch die Drittklässler anspruchsvoller gestaltet werden.
  • Erstklässler fragen eher: Warum/ Wieso ist das so? Z. B. "Warum gibt es Ebbe und Flut?"
  • Drittklässler wollen eher wissen, wie das funktioniert. Z. B. "Wie schafft das der Mond?"
  • Diese Kombination von Seins- und Wissensfragen schafft ein positives Spannungsfeld, in dem die Zweitklässler ihrer Entwicklung entsprechend einen Platz finden.

in den Lernbereichen Englisch und Schwimmen

  • Erst- und Zweitklässler erleben diese neuen Lernbereiche schon im Vorgriff durch Beobachten und Nachfragen.

Vorteile einer Mischung von drei Jahrgängen für

die Erstklässler

  • Für 5 ½-jährige Schulanfänger (ängstlich, unsicher, neugierig, mutig fordernd, …) ist es wichtig, mit Anteilnahme und offenen Armen aufgenommen zu werden. Dafür stehen 2/3 der Klasse bereit.
  • Die Erstklässler finden 2/3 Ansprechpartner für die Fragen des Schulalltags (Wo finde ich meinen verlorenen Turnbeutel wieder?).
  • Die Erstklässler finden im besten Fall 2/3 Vorbilder, die ihnen Regeln und Rituale vorleben.
  • Die Drittklässler haben den nötigen Abstand, um sich an ihre eigenen ersten Schritte zu erinnern und das richtige Maß an Mitgefühl zu finden ("Empathie").
  • Die Kompetenzen der Drittklässler erzeugen in der Regel weder Druck noch Angst, denn die Großen sind deutlich älter und länger dabei.
  • In zwei Jahren auch so viel zu können, scheint ein erreichbares Ziel für die Kleinen und motiviert.

die Zweitklässler

  • Die Kleinen kommen, aber als Zweitklässler muss man nicht sofort zu den Großen gehören und scheinbar alles wissen und können. Es gibt ja noch die Drittklässler.
  • Die Kleinen kommen, aber als Zweitklässler muss man nicht mit ihnen mithalten und wieder zum Anfänger werden (retadieren). Die Drittklässler mahnen und verhindern Rückschritte.
  • Als Zweitklässler kann man sich je nach Entwicklungsstand nach oben, aber auch mal nach unten orientieren.

die Drittklässler

  • Alle Drittklässler, auch die eher leistungsschwachen Schüler, können ihre sozialen und unterschiedlichen Fachkompetenzen in konkreten Situationen zeigen und ernten Freude und Anerkennung von den Jüngeren (nicht nur von der Lehrkraft).
  • Drittklässler lassen sich von der Begeisterung und Unbefangenheit der Erstklässler anstecken.
  • Sie beteiligen sich mit Freude an Spielen, Tänzen und Liedern, die im Jahrgangs-Klassenverband manchmal "unter ihrer Würde" wären.
  • Emotionalität und Nähe dürfen im Kontakt mit jüngeren Kindern gezeigt werden. Man muss nicht dauernd "cool" sein.
  • Probleme der beginnenden Pubertät (Unsicherheit, Rückzug, Angeberei, …) werden durch das Zusammenleben mit den Kleinen abgeschwächt.
 

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